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Rewers
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Rewers (deutsch: Die Umkehrung/Umkehren) ist ein polnischer Spielfilm des Regisseurs Borys Lankosz aus dem Jahr 2009. Drehbuchautor Andrzej Bart gilt als einer der bedeutendsten zeitgenĂśssischen Schriftsteller Polens.cite-ref-cineuropa-1-0[1] Die Hauptrollen des Films sind mit Agata Buzek, Krystyna Janda, Anna Polony und Marcin DorociĹski besetzt.
Die Geschichte der unerfßllten Liebe einer jungen Frau, Angestellte in einem Literaturverlag, wird in zwei Zeitebenen erzählt. Die Rahmenhandlung spielt im Jahr 2008 in Warschau, die rßckblickende Haupthandlung im Warschau der Jahre 1952/1953.
Der Film wurde 2010 in Rennen um die Oscars als polnischer Beitrag in der Kategorie âBester fremdsprachiger Filmâ eingereicht.cite-ref-cineuropa-1-1[1]
Contents
⢠Handlung
⢠Produktion
⢠Rezeption
⢠Kritik
⢠Auszeichnungen
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Handlung
Die alt gewordene Sabina Jankowska erinnert sich im modernen Warschau beim Warten auf den Besuch ihres einzigen Sohnes, der in den Vereinigten Staaten lebt, zurĂźck an ihre tragische kurze Romanze mit dem Vater ihres Kindes. Es sind die harten Jahre der Stalinzeit, in der Gesellschaft herrscht Angst vor den allgegenwärtigen Spitzeln der Geheimpolizei UB. Die 30-jährige Sabina wohnt bei ihrer Mutter Irena und ihrer GroĂmutter; die Familie gehĂśrt zur Warschauer Vorkriegsintelligenz und steht kritisch zum kommunistischen Regime, was allerdings niemand zu zeigen wagt. Sabina ist zu dieser Zeit in einem Verlag fĂźr Lyrik zuständig, doch dĂźrfen ihre Lieblingsdichter, die franzĂśsischen und russischen Symbolisten nicht verlegt werden, weil sie von der kommunistische Zensur als dekadent angesehen werden. Gold darf zu dieser Zeit nicht in Privatbesitz sein und muss laut einer Verordnung abgegeben werden. Die Familie besitzt einen Golddollar, den Sabina immer wieder verschluckt, nachdem er auf natĂźrlichem Wege wieder ausgeschieden worden ist.
Sabinas Verlobter ist als Widerstandskämpfer im Krieg gefallen, ein neuer Partner ist nicht in Sicht. Deshalb macht sich ihre Mutter, die diese Situation missbilligt, auf die Suche nach einem heiratswilligen Mann. Sie lädt einen der Familie bekannten Buchhalter zum Abendessen ein und wirbt fĂźr ihn als soliden Menschen. Doch der Gast betrinkt sich an dem Abend sinnlos, so dass auch die Mutter einsieht, dass er nicht als Ehemann fĂźr Sabina in Frage kommt. Die GroĂmutter steht dieser Art von Suche nach Heiratskandidaten ohnehin skeptisch gegenĂźber.
An einem Abend wird Sabina auf dem Heimweg vom Verlag von zwei Kleinkriminellen die Handtasche entrissen. Doch ein dritter Mann kommt hinzu, schlägt die beiden Kriminellen nieder und gibt ihr die Tasche zurĂźck. Er stellt sich als BronisĹaw Falski vor. Sehr bald trifft sich Sabina mit ihm, er ist charmant, sie verliebt sich in ihn. SchlieĂlich lädt sie ihn nach Hause ein, die Mutter ist sehr angetan vom Verehrer der Tochter.
Doch dann meldet sich BronisĹaw fĂźr längere Zeit nicht mehr bei ihr. Sabina wartet sehnsĂźchtig auf ihn. Als er schlieĂlich doch wieder vor ihrer TĂźr steht, haben die beiden zwei Stunden Zeit fĂźreinander. Die Mutter ist nicht zu Hause, die GroĂmutter liegt nebenan krank in ihrem Zimmer. Doch BronisĹaw ist plĂśtzlich nicht mehr der charmante Herr der ersten Begegnungen. Er vergewaltigt Sabina auf dem Esstisch und fordert anschlieĂend von ihr, dass sie ihren Chef im Verlag bespitzeln soll. Sabina kann die erfahrene DemĂźtigung nicht ertragen, sie träufelt Gift in den LikĂśr fĂźr BronisĹaw. Dieser windet sich unter Schmerzen und stirbt, während Sabina zitternd daneben steht.
Wenig später kommt Sabinas Mutter zurĂźck. Ihr ist schnell klar, dass der Tote ein UB-Agent gewesen sein muss. Nach dem ersten Schock beschlieĂt sie, die Leiche verschwinden zu lassen, da der Familie schwerste Repressalien durch den UB drohen wĂźrden, wĂźrde man den toten BronisĹaw bei ihnen finden. Gemeinsam mit Sabina bringt sie die Leiche Ăźber das Treppenhaus ins Dachgeschoss, wo ihr gerade abwesender Sohn, der als Restaurateur arbeitet, ein Maleratelier eingerichtet hat. Auf dem Weg dahin werden sie von der Frau des Nachbarn beobachtet. Als die Frau ihren Mann auffordert, Sabina und ihre Mutter anzuzeigen, kommt eine Gruppe von UB-Männern und verhaftet den Nachbarn, der frĂźher Mitglied einer antikommunistischen Organisation war.
In dem Maleratelier legen die beiden Frauen die Leiche in eine groĂe Wanne und schĂźtten mehrere Kanister Salzsäure hinein, die sonst fĂźr die Restaurierungsarbeiten gebraucht wird. Als Sabinas Bruder Ăźberraschend mit zwei angetrunkenen Freunden auftaucht, decken die Frauen das Becken im Nebenraum schnell mit Bildern ab, darunter Propagandaporträts der kommunistischen FĂźhrer. Die Männer laden die Frauen zum Trinken und Tanzen ein; erst als die beiden Freunde vĂśllig betrunken sind, gelingt es, sie hinauszukomplimentieren.
Wenige Tage später verstaut Sabinas Mutter die Ăźbrig gebliebenen Knochen des Toten, die der Salzsäure widerstanden haben, in einem Geigenkasten. Sabina bringt diesen zur Baustelle des Warschauer Kulturpalastes. Ein sowjetischer Soldat will sie anhalten, doch sie kann flĂźchten und verscharrt kurz darauf den Geigenkasten in einem Sandhaufen. Wenig später stellt sich heraus, dass Sabina infolge der Vergewaltigung schwanger ist. Als sie hochschwanger ist, geht sie mit ihrer Mutter durch ihre StraĂe, als Lautsprecherwagen die Nachricht vom Tode Stalins verkĂźnden. Während die Passanten in der Ăffentlichkeit mit gesenktem Kopf stehen bleiben, eilen Mutter und Tochter in einen Hinterhof und umarmen sich jubelnd. Sabinas Freudentanz lĂśst die Wehen aus.
2008 wartet Sabina auf dem Warschauer Flughafen auf ihren Sohn, der aus New York zurßckkehrt. An Allerheiligen besucht sie gemeinsam mit dem Sohn, der offenkundig homosexuell ist, und dessen amerikanischem Freund das Familiengrab. Dann lässt sie sich von ihm zum Kulturpalast fahren, wo sie eine Kerze aufstellt. Dem Sohn hat sie frßher erzählt, sein Vater sei ein Widerstandskämpfer gewesen, den die Kommunisten erschossen hätten. Sie behält auch nun, da er erwachsen ist, die wahre Geschichte fßr sich. Während ihr Sohn seinem Freund eher beiläufig von der kommunistischen Zeit in Polen erzählt, wird offenkundig, dass dieser sich kaum dafßr interessiert.
Produktion
Produktionsnotizen, Hintergrund
Produziert wurde der Film vom Studio Filmowe Kadr, von WytwĂłrnia FilmĂłw Dokumentzalnyc i Fabularnych (WFDiF) und von Syrena Film. Die Dreharbeiten fanden in Nowy Swiat, SrĂłdmiescie, Warschau, Masowien in Polen statt.
Die Szenen der in den Jahren 1952 und 1953 spielenden Handlung wurden in Schwarz-WeiĂ gedreht und mit Original-Wochenschauaufnahmen vermischt; auf diese Weise werden die Parolen der kommunistischen Propaganda dem Alltag der Menschen in der Filmhandlung gegenĂźbergestellt. Die Szenen im Warschau des Jahres 2008 wurden in Farbe gedreht.
Das polnische Wort ârewersâ bezeichnet die RĂźckseite einer GeldmĂźnze (abgeleitet vom franzĂśsischen revers). In dem Film hat ein Golddollar eine leitmotivische Bedeutung: Auf seiner RĂźckseite steht das englische Wort âLibertyâ (Freiheit). Der Titel des Filmes verweist somit auf den Wunsch nach politischer Freiheit, der in der Stalinzeit allerdings nicht ausgesprochen werden durfte.
Die DollarmĂźnze befindet sich im Besitz der Familie, doch haben die kommunistischen BehĂśrden den Besitz von Devisen verboten. Sabina Jankowska erzählt der Mutter und der GroĂmutter, dass sie ihn sicher versteckt habe. Sie erzählt aber nicht, dass sie den Golddollar immer wieder verschluckt, was mehrmals in GroĂaufnahme gezeigt wird, und ihn sorgfältig reinigt, nachdem er auf der Toilette wieder zum Vorschein gekommen ist, was filmisch nur angedeutet wird. Der Golddollar steht somit auch fĂźr die Angst der drei Frauen und der gesamten Gesellschaft vor dem UB. Der Antiheld BronisĹaw Falski schockiert Sabina mit dem Hinweis, dass er nicht nur von der MĂźnze wisse, sondern auch von dem Versteck. Er belegt damit die Furcht vor einem allgegenwärtigen Ăberwachungsstaat, in dem jeder bis in den intimsten Bereich bespitzelt werden kann. Dabei bleibt offen, woher BronisĹaws Wissen stammt.
VerĂśffentlichung
Erstmals vorgestellt wurde der Film am 13. Oktober 2009 auf dem Warschauer Filmfestival. Einen Monat später lief er dann allgemein in Polen in den Kinos an. Am 12. Januar 2010 wurde der Film auf dem Palm Springs International Film Festival in den Vereinigten Staaten vorgestellt, am 5. Februar 2010 auf dem Santa Barbara International Film Festival und am 24. Mai 2010 auf dem Seattle International Film Festival. Am 30. Mai 2010 war er einer der Beiträge auf dem Transilvania International Film Festival in Rumänien, im Juli 2010 auf dem Karlovy Vary International Film Festival in der Tschechischen Republik und am 30. September 2010 auf dem Vancouver International Film Festival in Kanada. Des Weiteren war er einer der Beiträge auf folgenden Film Festivals:
⢠Deutschland: 4. Oktober 2010, Filmfest Hamburg
⢠Vereinigte Staaten: 9. Oktober 2010, Mill Valley Film Festival
⢠Frankreich: 24. November 2010, Paris Festival du Film Polonais
⢠Kanada: 30. November 2010, Ottawa European Union Film Festival
⢠Kanada: 5. Dezember 2010, Vancouver European Union Film Festival
⢠Hongkong: 8. September 2011, Polish Film Festival
⢠Japan: 16. November 2015, Poland Film Festival
VerĂśffentlicht wurde der Film zudem in der Tschechischen Republik, in Frankreich, in Deutschland unter dem Titel Das Revers, in Ungarn, in Japan, Polen, Russland, Serbien, in der Slowakei und im Vereinigten KĂśnigreich.
Rezeption
Kritik
Mehrere polnische Filmkritiker bezeichneten den Film als âerste schwarze KomĂśdie Ăźber die Stalinzeitâ.cite-ref-2[2] Der Film wurde mit Filmpreisen Ăźberhäuft und von Kritikern und dem Festivalpublikum gleichermaĂen gelobt. Im Zusammenhang mit dem Film hieĂ es beispielsweise: Initiator der neuen polnischen Filmschule, vielversprechender Regisseur des neuen polnischen Kinos, die wahre Entdeckung der letzten Jahre, ein phänomenaler Regisseur. Ein Kritiker verglich Lankosz in einem Artikel in der Zeitschrift Film sogar mit dem polnischen Filmmeister Andrzej Munk.cite-ref-cineuropa-1-2[1]
Dorota Hartwich schrieb bei Cineuropa, das Faszinierende an The Reverse sei nicht nur seine raffinierte Form, sondern vor allem seine intellektuelle Verspieltheit. Der Regisseur werfe Genres auf den Kopf, ebenso wie das ßbliche Geschichtsbild und die Klischees, dass das menschliche Schicksal von der Realität einer Epoche bestimmt werde. Lankosz entlarve die Grundpfeiler des kommunistischen Systems: Lßgen, Kompromisse und Verrat. Dabei bediene er sich, was selten vorkomme, nicht der Heldenperspektive, sondern einer ehrlichen, authentischen und unprätentiÜsen Sprache.cite-ref-cineuropa-1-3[1]
Auf der Seite der Film Noir schrieb Matthias Merkelbach, Rewers sei âeine dunkle Geschichte von den Zeiten der Not, aber fast ein Pastiche-Thriller im Stil des Film Noirâ. Erwähnt werden mĂźsse auch, dass der âeigenwillige Filmâ und âdessen rabenschwarzer Humor einerseits genuin Polnisch, seine Dramaturgie andererseits jedoch von Bestleistungen der neueren franzĂśsischen KomĂśdie beeinflusstâ zu sein scheine. Zugleich liege er âeindeutig im Fahrwasser weiterer Parodien und Hommagen an den klassischen Film Noirâ. Eine âĂźberragende Krystyna Jandaâ bringe ihn âwiederholt zum Schmunzelnâ, sie fĂźlle ihre Rolle mit âeiner solchen Energie und einem solchen GespĂźr fĂźr ZwischentĂśne, dass es eine Freudeâ sei. Das abschlieĂende Fazit lautete: âEin bissiger und selbstbewusster Retro Noir aus Polen, dessen Humor auch ein internationales Publikum anspreche. Sehenswert!âcite-ref-3[3]
Welt Online stellte fest: âEin Film Noire situiert in der Stalinzeit â an sich schon eine fantastische Idee. Hier gewĂźrzt mit humoristischen Ăberspitzungen und âeiner der komischsten Mordszenen der Filmgeschichteâ.âcite-ref-4[4]
Der Journalist und Filmkritiker ZdzisĹaw Pietrasik befasste sich in Polityka mit dem Film und wählte fĂźr seinen Artikel die Ăberschrift âGeschichte ganz andersâ. Dann erläuterte er, dass noch immer erzählt werde, dass der Film Rewers von Borys Lankosz vor vollen Kinosälen gezeigt worden sei, zumindest an den wochenenden. Während der VerfĂźhrung habe das Publikum mehrfach im Chor gelacht und Bravorufe seien laut geworden, was bei einem polnischen Film seit Urzeiten nicht mehr der Fall gewesen sei. Das Phänomen dieses Filmes beruhe â kurz gesagt â darauf, dass es den KĂźnstlern gelungen sei, den Stalinismus zu entdämonisieren. Die gedruckte Version von Rewers sei allerdings weniger witzig als die Filmversion.cite-ref-5[5]
Auszeichnungen
Beim 34. Polnischen Filmfestival in Gdynia erhielt der Film den Grand Prix in fĂźnf Kategorien:
⢠âBeste Hauptdarstellerinâ (Agata Buzek)
⢠âBeste Kameraarbeitâ (Marcin KoszaĹka)
⢠âBeste Musikâ (WĹodzimierz Pawlik)
⢠âBeste Nebenrolleâ (Marcin DorociĹski)
⢠âBestes Make-upâ (MirosĹawa Wojtczak, LudmiĹa Krawczyk, Waldemar Pokromski)
⢠FIPRESCI-Preis in der Kategorie âBestes DebĂźt eines osteuropäischen Filmsâ
32. Moskauer Internationales Filmfestival
⢠Hauptpreis im Wettbewerb âPerspektywyâ (âSilberne St. Georgâ-Statuette)
24. TarnĂłw-Filmpeis, TarnĂłw 2010
⢠Publikumspreis, Sonderpreis, gesponsert von Telewizja Kino Polska
Rewers wurde 2010 mit insgesamt acht Polnischen Filmpreisen OrĹy ausgezeichnet.
⢠Auszeichnung fĂźr den âBesten Filmâ, âEntdeckung des Jahres (Borys Lankosz)â, âBeste weibliche Hauptrolleâ, âBeste weibliche Nebenrolleâ, âBestes Drehbuchâ, âBeste Musikâ, âBestes Szenenbildâ, âBeste KostĂźmeâ
⢠Beim Filmfestival Camerimage wurde Kameramann Marcin KoszaĹka mit dem âBronzenen Froschâ ausgezeichnet.cite-ref-6[6]
Weblinks
⢠Rewers bei IMDb
⢠Rewers Abb. Originalfilmplakat in der IMDb
⢠Rewers (2009) suchefilme.com (inklusive Filmtrailer)
⢠Rewers vollständiger Film in der Originalsprache
⢠Rewers kino-zeit.de
Einzelnachweise
cite-note-cineuropa-11. â Dorota Hartwich: The Reverse cineuropa.org (englisch), 11. Februar 2009. Abgerufen am 5. November 2023.
cite-note-22. â 2012: Andrzej Bart und Stephan Wackwitz lindepreis.goettingen.de
cite-note-33. â Matthias Merkelbach: Rewers der-film-noir.de. Abgerufen am 5. November 2023.
cite-note-44. â The Reverse (Rewers) esel.at, 1. März 2011. Abgerufen am 5. November 2023.
cite-note-55. â ZdzisĹaw Pietrasik: Geschichte ganz anders In: Polityka (polnisch), 14. Januar 2010. Abgerufen am 5. November 2023.
cite-note-66. â Rewers pisf.pl/filmy/rewers pl. Abgerufen am 5. November 2023.